Scharfe Kritik an neuer AfD-Strategie der Familienunternehmer

Die Entscheidung des Familienunternehmer-Verbands, sich für Gespräche mit der AfD zu öffnen, stößt auf scharfe Kritik.

„Die AfD ist kein Partner für den Mittelstand“, sagte die Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), Gitta Connemann (CDU), dem „Handelsblatt“ (Dienstagsausgabe). „Denn ihr Programm und ihre Haltung schaden dem Standort Deutschland massiv.“ Sie verwies auf zentrale Risiken für exportorientierte Unternehmen. „Eine nationalistische Wirtschaftspolitik à la AfD würde diese Exporte torpedieren, Lieferketten und Arbeitsplätze zerstören.“ Ebenso wäre eine Abkehr von Europa und der Ausstieg aus dem Euro für die Betriebe kontraproduktiv.

Der Ökonom Marcel Fratzscher warnte davor, die AfD als normale Partei zu behandeln. Dies „könnte erheblichen Schaden für die deutsche Wirtschaft im Ausland wie im Inland anrichten“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dem „Handelsblatt“. Verbände und Unternehmen dürften nicht „auf ihren kurzfristigen ökonomischen Nutzen schauen“, sie müssten vielmehr „politisch wie gesellschaftlich klare Positionen beziehen und diese öffentlich und sichtbar kommunizieren“.

Deutliche Vorbehalte äußerte auch der Unternehmer Martin Herrenknecht. „Die Brandmauer in dieser Situation aufzuweichen, halte ich für das falsche Signal“, sagte der Tunnelbauunternehmer dem „Handelsblatt“. Man solle „einen kühlen Kopf bewahren“ und sorgfältig prüfen, welche Gesprächsformate man zulasse. Herrenknecht kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Politik der Bundesregierung. „In der Debatte rund um die Rentenreform zeigt sich einmal mehr, wie schnell politische Unsicherheit Raum für radikale Kräfte schafft“, sagte er. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) „steht unter Druck, die Koalition wirkt ideenlos und instabil“.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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