Bafin warnt vor Risiken bei offenen Immobilienfonds und kritisiert Verkaufspraxis

Die Finanzaufsicht Bafin sieht nach wie vor erhebliche Risiken für Privatanleger bei offenen Immobilienfonds und anderen Finanzprodukten. „Offene Immobilienfonds sind legitime Produkte“, sagte Bafin-Chef Mark Branson der „Süddeutschen Zeitung“. Entscheidend sei jedoch, ob sie richtig und fair verkauft würden. „Beratung ist eben nicht immer Beratung, oft ist es vertriebsgetriebener Verkauf“, sagte Branson.

Er äußerte zudem Zweifel, ob offene Immobilienfonds zu Recht in Risikoklasse eins – also als sehr wenig riskant – verkauft werden sollten. „Risikokategorie eins ist tatsächlich sehr niedrig, sogar niedriger als viele Staatsanleihen. Die Vorstellung, ein Portfolio aus Gewerbeimmobilien sei weniger riskant als ein Portfolio aus Bundesanleihen, entspricht nicht dem gesunden Menschenverstand“, sagte Branson. Einige Anbieter hätten bereits reagiert und ihre Risikobewertung angepasst.

Lange galten offene Immobilienfonds als stabile Anlagen. Vor allem Volksbanken und Sparkassen vertreiben sie in großem Stil an Privatanleger – häufig in der niedrigsten Risikokategorie. Dabei besteht die Gefahr, dass Fonds schließen müssen: Zuletzt verweigerten zwei kleinere Immobilienfonds die Rücknahme von Anteilen. Auf die Frage, ob er weitere Fondsschließungen ausschließen könne, sagte Branson: „Das kann ich nicht. Bei kleineren Immobilienfonds gibt es ein erhöhtes Risiko.“

Auch über die seit der Finanzkrise eingeführten Protokollierungspflichten äußerte Branson Skepsis: „Dienen sie wirklich dem Kundenschutz oder eher dem Schutz der Institute? Wer versteht diese umfangreichen Unterlagen? Das System hat erhebliche Tücken: In der Praxis scheitert es oft, weil es gerade diejenigen Kunden überfordert, die wir am dringendsten schützen wollen.“

Eine Reform des Finanzvertriebs, etwa ein Provisionsverbot, lehnte Branson gleichwohl eher ab. „Das wäre ein starker Eingriff in den Markt. Die Frage ist, ob es ohne Provisionen Beratungslücken gäbe, weil viele sich eine bezahlte Beratung nicht leisten können oder wollen. Es ist Sache der Politik, darüber zu entscheiden.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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