Pflegereform: Bundesgesundheitsministerin Warken äußert sich zurückhaltend zu möglicher Abschaffung von Pflegegrad 1

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat zurückhaltend auf Medienberichte über eine mögliche Abschaffung von Pflegegrad 1 reagiert.

„Wir werden den Menschen nicht über Nacht etwas wegnehmen“, sagte Warken am Sonntag den Sendern RTL und ntv. Ausschließen wollte die Ministerin eine Abschaffung allerdings auch nicht. Das Pflegesystem sei eine große Errungenschaft. „Aber wir müssen jetzt notwendige Änderungen vornehmen, um auch in Zukunft den Menschen noch in gewohntem Umfang helfen zu können und das System generationengerecht zu machen.“

Warken verwies auf die im Sommer eingesetzte Pflegekommission. Sie nehme Einnahmen und Ausgaben der Pflegeversicherung in den Blick und erarbeite Vorschläge. „Eine Reform der Pflegeversicherung ist dringend überfällig.“ Auch die Menschen merkten, dass sich das System verändern müsse. Wer Hilfe brauche, werde auch weiterhin Unterstützung bekommen. „Wenn wir das System aber neu ausrichten wollen, besser aufstellen wollen, zukunftsfest aufstellen wollen, wird es auch insgesamt Veränderungen geben.“

Die Pflegegrade seien als Bewertungsinstrumente sehr gut, man müsse den Menschen allerdings eine zielgerichtetere Hilfe zukommen lassen. Die Kommission werde dazu Mitte Oktober erste Vorschläge machen. „Und natürlich gehört dann auch dazu zu schauen, wie sind wir momentan aufgestellt mit der Ausrichtung bei den Pflegegraden.“

Die Linke reagierte derweil mit scharfer Kritik auf den „Bild“-Bericht, wonach die Bundesregierung eine Abschaffung der untersten Pflegestufe prüfen soll. „Die Streichung des Pflegegrads 1 ist ein erneuter Angriff auf die, die den ganzen Tag buckeln und am Ende des Monats nichts mehr übrig bleibt“, sagte die Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner dem Tagesspiegel. Rund 860.000 Menschen bekämen gerade noch das Nötigste. „Genau denen zieht die Regierung nun den Boden unter den Füßen weg.“

Schwerdtner bezeichnete die Pläne als einen „Schlag ins Gesicht“ für die, die seit Jahren in die Pflege- und Krankenversicherung einzahlten. Die Linken-Vorsitzende wirbt für eine andere Lösung. „Man müsste endlich Beamte, Abgeordnete und Superreiche verpflichten, in eine gemeinsame Pflegeversicherung einzuzahlen“, sagte Schwerdtner: „Doch genau davor drückt sich die Regierung, obwohl sie weiß, dass unten nicht mehr viel zu holen ist.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    Keine weiteren Verdächtigen nach Tod des mutmaßlichen CSD-Attentäters in Berlin

    Die Polizei sucht nach dem Tod des mutmaßlichen CSD-Attentäters keine weiteren Verdächtigen.Das teilte ein Sprecher der Berliner Polizei am Sonntagabend mit. Zudem hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zum Anschlag auf…

    Polizei bestätigt Tod des mutmaßlichen CSD-Attentäters nach SEK-Einsatz in Spandau

    Die Polizei hat den Tod des mutmaßlichen Attentäters auf den Berliner CSD bestätigt.„Nach bisherigen Erkenntnissen soll er mit einer Stichwaffe auf unsere Einsatzkräfte zugelaufen sein, daraufhin kam es zum polizeilichen…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert