Europa: Illegale Cannabis-Schwemme aus USA und Kanada nimmt dramatisch zu

In Europa wird immer mehr illegales Cannabis aus den Vereinigten Staaten und Kanada beschlagnahmt. Darauf weist die Europäische Drogenbehörde Euda in einer internen Warnmeldung an die Mitgliedstaaten hin, über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montagsausgabe) berichtet.

Nach einem bedeutsamen Anstieg der Beschlagnahmungen von Cannabis aus Nordamerika im Jahr 2024 hätten diese auch 2025 noch einmal stark zugenommen, heißt es. Allein am Flughafen Köln/Bonn entdeckte der deutsche Zoll nach Informationen der FAZ im vergangenen Jahr mehr als zehn Tonnen Cannabis in Luftpostpaketen, die größtenteils aus den USA kamen. Das ist ungefähr eine Verzehnfachung im Vergleich zu 2022.

Der Zoll in Belgien beschlagnahmte 2025 gut 21 Tonnen Cannabis, fast fünfmal so viel wie 2024. Das meiste entdeckten die belgischen Zöllner in Containern aus Kanada, die im Hafen von Antwerpen ankamen. Der niederländische Zoll vermeldet eine Vervierfachung der Cannabisfunde auf gut 60 Tonnen.

„Es ist offensichtlich, dass der Anteil von Cannabis aus Nordamerika auf dem europäischen Markt jetzt erheblich ist“, sagte Robert Patrancus, Analyst der Euda, der FAZ. Jens Ahland, Sprecher vom Hauptzollamt Köln, sagte: „Wir erleben im Moment eine Schwemme an Marihuanasendungen aus den USA. Wir werden damit geflutet, anders kann man das nicht sagen.“

Das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigte der FAZ auf Anfrage, dass ein „stetiger signifikanter Anstieg“ beim Schmuggel von Cannabis aus Nordamerika zu beobachten sei. Das Bundesinnenministerium betonte, dass „die Bekämpfung der international organisierten Rauschgiftkriminalität höchste Priorität“ habe, da diese als eine wesentliche Triebfeder der organisierten Kriminalität angesehen werde. Das BKA stehe deshalb in Kontakt mit „anderen europäischen Ländern und internationalen Partnern“.

Auf die Frage, ob die Bundesregierung deshalb auch Kontakt mit den Regierungen in Kanada und den USA aufgenommen habe, ging das Ministerium nicht ein.

Als Hauptgrund für die Entwicklung nennen Fachleute große Preisunterschiede. Es scheine ökonomische Anreize zu geben, das Cannabis deutlich günstiger in Nordamerika zu kaufen und nach Europa zu transportieren, statt es lokal zu produzieren, sagte Patrancus.

In der Warnmeldung der Euda heißt es, dass die Großhandelspreise in Nordamerika um bis zu zwei Drittel unter den Preisen für Cannabis aus Europa liegen könnten. In Kanada und etwa der Hälfte der amerikanischen Bundesstaaten wurde Cannabis legalisiert.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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