GDL fordert mehr Personal und Sicherheit nach tödlichem Angriff auf Bahnmitarbeiter

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter der Deutschen Bahn erhöht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Druck auf den Bahn-Vorstand. „Dieser Vorfall ist kein isoliertes, unvorhersehbares Einzelereignis“, heißt es in einem offenen Brief an den Fernverkehrsvorstand und Bahn-Chefin Evelyn Palla, über den die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwochausgabe) berichtet. „Übergriffe, Bedrohungen und Gewalt gegen Beschäftigte im Zugbegleitdienst sind seit Jahren bekannt.“

Immer wieder seien die Sicherheitsprobleme in der Vergangenheit sogar „durch den Vorstand selbst“ in Monatsgesprächen mit dem Gesamtbetriebsrat der Bahn-Tochter DB Fernverkehr thematisiert worden, gebessert habe sich aber nichts. „Ein unverändertes Fortführen der bisherigen Einsatz- und Besetzungskonzepte ist nach einem tödlichen Gewaltvorfall rechtlich nicht haltbar“, so die GDL.

Im Gegensatz zum Regionalverkehr, wo das Besetzungskonzept maßgeblich von den Ländern und deren Aufgabenträgern festgelegt wird, liegt die Ausgestaltung im Fernverkehr in der Hand der Deutschen Bahn. Im Sommer 2024 hatte sie dort ihr neues „1:1-Konzept“ ausgerollt. Es bedeutet, dass nicht wie früher ein Zugchef und zwei, drei oder sogar vier Zugbegleiter für einen ICE zuständig sind, sondern nur noch ein Zugchef und ein Zugbegleiter. „An einzelnen Tagen kommt es sogar zu 1:0-Besetzungen, bei denen Beschäftigte faktisch allein für Betrieb, Service, Kontrolle und den Umgang mit Konfliktsituationen verantwortlich sind“, heißt es in dem offenen Brief der Gewerkschaft. „Diese Formen faktischer Alleinarbeit sind angesichts der bekannten Gewaltlage nicht hinnehmbar.“

Die Gesamtbetriebsräte der Bahn-Tochter DB Fernverkehr fordern den Vorstand nun auf, eine „verbindliche Mindestbesetzung“ auf ICEs einzuführen. Bei Zügen ab neun Wagen sei eine „Mindestbesetzung von 1:2“ erforderlich, sprich: ein Zugchef und zwei Zugbegleiter. Darüber hinaus fordert die GDL „den Ausschluss jeglicher 1:0-Besetzungen“. Alleinarbeit im Zugbegleitdienst sei mit den bekannten Risiken unvereinbar und stelle eine „unzulässige Gefährdung von Leben und Gesundheit dar“.

Außerdem müssten die Präsenz von Sicherheitskräften deutlich erhöht, „flächendeckend und zu jeder Zeit“ Bodycams zur Verfügung gestellt sowie eine datenschutzkonforme Kameraüberwachung in den Zügen umgesetzt werden, so die Gewerkschaft.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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