Helsing-Mitgründer fordert europäische Waffen für Nato-Ostflanke und Reform der EU-Beschaffung

Grundbert Scherf, Mitgründer des Münchner Start-ups Helsing, fordert, die Nato-Ostflanke weitgehend mit europäischen Waffensystemen statt mit Waffensystemen aus den USA abzusichern. „Wir hatten wahrlich genug Weckrufe“, sagte Scherf dem „Spiegel“. „An der Ostflanke sollten wir in der Lage sein, militärisch, soweit es geht, rein europäisch zu agieren“, ergänzte der Gründer, dessen Firma unter anderem „lauernde Munition“ herstellt, sogenannte Kamikazedrohnen.

Um das Ziel zu erreichen, müsse die Politik ab sofort mehr Rüstungsgüter in Europa bestellen und an den strengen EU-Vergaberegeln „schnellstens etwas ändern“, forderte er. „Absurderweise ist es oft einfacher, ein US-Produkt zu kaufen als ein europäisches“, erklärte Scherf, der unter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) von 2014 an für zwei Jahre als Sonderberater für eine effizientere Beschaffung im Wehrressort tätig war.

Für ihre Erstausstattung mit Kamikazedrohnen will die Bundeswehr unter anderem auf das aktuelle Helsing-Modell HX-2 zurückgreifen. Der Bundestag muss der Beschaffung noch zustimmen. Zu der verbreiteten Kritik an solchen KI-unterstützten Waffensystemen sagte Scherf, er nehme ethische Fragen ernst. Viele der eigenen Mitarbeiter kämen nicht aus dem Rüstungsbereich und wollten auch moralisch hinter den eigenen Produkten stehen können. „Wir bauen keine autonomen Killermaschinen“, sagte er. „Bei uns trifft keine Maschine eine Entscheidung.“

Die KI automatisiere lediglich die Aufklärung. Soldaten müssten nicht mehr Bild für Bild auswerten, was ihnen mehr Zeit für menschliche Entscheidungen einräume, so Scherf. Die bessere Aufklärung könne präzisere Treffer liefern als menschliche Operateure, die unter Druck agieren. „Klassische Artillerie schlägt im Vergleich dazu weitgehend `blind` ein“, behauptete der Helsing-Mitgründer.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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