BfS wappnet sich für kriegsbedingte Risiken – Notfallsystem nach Tschernobyl und Fukushima verbessert

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bereitet sich aktuell auch auf kriegsbedingte Risikoszenarien vor. „Unser Fokus hat sich verändert“, sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe). „Durch den Atomausstieg sind klassische Risiken hierzulande kleiner geworden, gleichzeitig sind neue hinzugekommen.“

Früher sei es „unvorstellbar gewesen, dass Kernkraftwerke und kerntechnische Anlagen in Kriegen zu Kampfzonen oder Angriffszielen werden“, so Paulini. „In der Ukraine ist das geschehen. Auch beim Krieg im Nahen Osten geraten Kraftwerke ins Visier.“

Die Mitarbeiter des BfS überprüften laufend die Daten verschiedener Messeinrichtungen für Radioaktivität in der Ukraine und aus Nachbarländern, erklärte die Präsidentin des Bundesamts. „Sie rechnen mit Unterstützung des Deutschen Wetterdienstes aus, ob im Fall einer Freisetzung die Luftmassen aus der Ukraine überhaupt zu uns kommen würden und wie lange das dauern würde. Für den Nahen Osten gilt Ähnliches. Aber dort ist wegen der Entfernung nicht zu erwarten, dass bei uns Schutzmaßnahmen notwendig werden“, so Paulini.

Gleichzeitig sei Deutschland 40 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 besser für den Notfall gerüstet. „Heute haben wir klare Regeln und zentrale Stellen, die im Bund zuständig sind. Wir arbeiten auch mit Nachbarstaaten zusammen. Es gibt das Radiologische Lagezentrum des Bundes, also einen zentralen Krisenstab, der im Bundesumweltministerium angesiedelt ist“, erklärte Paulini. „Das ganze Strahlenschutz-Notfallsystem wurde nach Tschernobyl – und auch nach Fukushima 2011 – überarbeitet. Wir haben bundeseinheitliche Richtlinien, ab welchen Strahlungswerten Evakuierungen, Aufenthalt in Gebäuden oder Einnahme von Jodtabletten als sinnvoll gelten. Die Einnahme von Jodtabletten sollte immer nur nach Empfehlungen der Behörden erfolgen, nicht eigenmächtig.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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