Nach US-Sperre für Anthropic: Deutsche Sicherheitspolitiker fordern mehr Unabhängigkeit bei KI

Sicherheitspolitiker in Deutschland warnen nach der US-Sperrung neuer KI-Modelle des Anbieters Anthropic vor massiven Sicherheitsrisiken.

„Wenn ein einziger Verwaltungsakt in Washington über Nacht entscheidet, welche KI-Werkzeuge europäischen Behörden, Unternehmen und Forschern zur Verfügung stehen, dann ist das kein technisches Detail, sondern eine sicherheitspolitische Abhängigkeit“, sagte der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann (CDU), dem „Handelsblatt“.

„Beim Schutz kritischer Infrastrukturen dürfen wir uns nicht in eine Lage bringen, in der uns ein Partner jederzeit den Stecker ziehen kann“, sagte Henrichmann weiter. Wer im entscheidenden Moment auf ein Werkzeug angewiesen sei, das ein anderer ein- und ausschaltet, sei „erpressbar“. Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz nannte das US-Vorgehen „in höchstem Maße kurzsichtig“. „Es gefährdet nicht nur die weltweite IT-Sicherheit, es wird auch massive negative Auswirkungen auf die Nachfrage nach den Produkten von US-Anbietern haben“, sagte er dem „Handelsblatt“.

Der SPD-Digitalpolitiker Johannes Schätzl sieht sich durch die Entwicklung rund um Anthropic in seinen Befürchtungen bestätigt. „Die leistungsfähigsten KI-Modelle entwickeln sich zunehmend zu strategischen Technologien, über deren Verfügbarkeit Staaten entscheiden können. Dies stellt ein großes strategisches Risiko dar“, sagte er dem „Handelsblatt“. Schätzl forderte deshalb kurzfristig eine deutliche Stärkung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie von Forschungseinrichtungen. Sie müssten in die Lage versetzt werden, die Fähigkeiten von leistungsfähigsten KI-Systemen eigenständig zu analysieren und Risiken frühzeitig zu erkennen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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