Umweltminister Schneider lehnt Verschiebung der EU-Methanverordnung ab und stellt sich gegen Wirtschaftsministerin Reiche

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) bezieht im Streit um die EU-Methanverordnung Position gegen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).

Schneider sagte dem „Handelsblatt“ (Freitagausgabe), er halte die von den Kritikern der Verordnung geforderte Verschiebung für falsch. „Ich bin es leid, so zu tun, als gäbe es das gravierende Problem der Methan-Emissionen nicht“, sagte der Minister. Aufschub sei kein Pragmatismus, sondern ein „Freifahrtschein fürs Weiterso“.

Reiche fordert, die nächste Umsetzungsphase der EU-Methanverordnung, die für den 1. Januar 2027 vorgesehen ist, zu verschieben. Lieferländer von Öl und Gas behaupten, sie könnten die künftigen Bedingungen der EU nicht erfüllen. Sie drohen damit, keine neuen Lieferverträge mit europäischen Importeuren abzuschließen.

Schneider sagte, wer im Zusammenhang mit der Methanverordnung von Überforderung spreche, verwechsle Bequemlichkeit mit Unmöglichkeit. Europa sei ein riesiger Markt und ein riesiger Nachfrager. „Wir haben die Macht, Standards zu setzen. Und wir sollten sie auch setzen – nicht zögern, nicht wegducken“, sagte der Umweltminister.

Der SPD-Politiker hält eine von der EU-Kommission in Aussicht gestellte Kompromisslösung für ausreichend. Demnach soll die Verschärfung ab Januar 2027 zwar gelten, Sanktionen sollen aber vorerst nicht verhängt werden. Schneider sagte, über Übergänge bei Sanktionen könne man pragmatisch reden. Er ist für die Umsetzung der Verordnung in nationales Recht zuständig.

Methan ist nach Kohlendioxid (CO2) das zweitwichtigste Treibhausgas, das zur menschengemachten Erderhitzung beiträgt. Auf 100 Jahre gerechnet ist es 28-mal klimaschädlicher als CO2. Weil die Reduktion des Methanausstoßes schneller einen spürbaren Effekt hätte als die Reduktion von CO2, könnte damit Wissenschaftlern zufolge wichtige Zeit im Kampf gegen die Erderhitzung gewonnen werden. Bei der Weltklimakonferenz 2021 haben sich daher 111 Länder mit dem „Global Methane Pledge“ freiwillig dazu verpflichtet, die Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent unter das Niveau von 2020 zu senken.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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