Neue Chipkrise trifft deutsche Industrie: Lieferzeiten explodieren, Preise steigen drastisch

Die deutsche Industrie kämpft wieder um Chips. „Die sonst übliche Lieferzeit von acht Wochen ist bei einigen Produkten auf 50 Wochen gestiegen“, sagte Noureddine Seddiki, Chef des Frankfurter Elektronikbrokers „Sand and Silicon“, dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe). Manche Halbleiterhersteller würden keine Neukunden mehr annehmen.

Die Produzenten nutzen die Gunst der Stunde. „Einige für die deutsche Industrie wichtige Chiplieferanten haben in den vergangenen Wochen wieder Preiserhöhungen und verschärfte Lieferbedingungen angekündigt“, sagte Tanjeff Schadt, Halbleiterexperte der Beratungsgesellschaft „Strategy&“. Am größten sei der Preissprung Noureddine Seddiki zufolge bei Speicherchips. Die Abnehmer seien gezwungen, drei- oder viermal so viel zu bezahlen wie noch im Herbst – wenn sie denn überhaupt Ware bekommen.

Auslöser der neuen Chipkrise sei eine „hohe Nachfrage, die hauptsächlich durch Künstliche Intelligenz und Rechenzentren getrieben wird“, sagte Bo Lybaek, Chef des dänischen Elektronikfertigers GPV.

Schnelle Besserung sei nicht in Sicht, warnte Peter Fintl, Halbleiterspezialist der Technologieberatung Capgemini. Denn es sei schwierig, die Chipproduktion kurzfristig zu steigern. Das liege unter anderem an der komplexen Lieferkette, in der es mitunter auf einzelne Anbieter ankomme, die ihre Kapazitäten nur langsam erweitern könnten – oder wollten.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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