Bundesnetzagentur warnt vor Kostenexplosion bei Kraftwerksneubau durch Verzögerungen

Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller hat vor Kostensteigerungen durch Verzögerungen bei den Kraftwerksstrategie-Ausschreibungen gewarnt. Sollten die geplanten Fristen im Mai und Dezember nicht eingehalten werden, könnte der Bau neuer Kraftwerke teurer werden, sagte Müller dem Podcast „Power & Policy“ des „Politico“. „Es gibt sehr plausible Hinweise, dass es 2027 – was wie gesagt keiner möchte, wenn wir da reinrutschen – teurer und nicht besser wird.“

Als zentrales Problem nannte er auslaufende Produktreservierungen von Kraftwerksinvestoren. Die Ausschreibungsfristen müsse man halten, weil eine Reihe von Kraftwerksinvestoren uns signalisiert hätten, dass sie bestimmte Produkte, die man für die Kraftwerke brauche, schon vorbestellt hätten und dabei Fristen auslaufen würden.

Hintergrund sei, „dass die halbe Welt zurzeit steuerbare Kapazitäten braucht und bauen möchte, und darum wären wir gut beraten, wenn wir diese Versorgungssicherheit für Deutschland haben wollen, dass wir wirklich jetzt die Ausschreibungsfristen halten, so wie sie die Bundesregierung vorgesehen hat“, erklärte Müller.

Eine Verzögerung könnte auch zu steigenden Kosten für Verbraucher und Unternehmen führen, denn die Preise für Kraftwerke sollen sie über eine geplante Umlage später mitzahlen. „Die Höhe dieser Umlage hängt ganz elementar davon ab, wie günstig bekommen wir die Ausschreibung hin“, so Müller. „Je schneller wir jetzt werden, desto stabiler wird die Teilnahme an den Ausschreibungen sein, desto kostengünstiger können sie sein.“ Er bitte deshalb „um die nötige Eile“.

Auf Nachfrage, ob es sich dabei um Gasturbinen handele, wollte Müller dies weder bestätigen noch dementieren. In der Energiebranche ist allerdings bekannt, dass Unternehmen im Vorlauf der Kraftwerksstrategie-Ausschreibungen bereits Turbinen reserviert haben, die sie im Fall eines Zuschlags abnehmen wollen.

Nach dem vorliegenden Gesetzentwurf soll die erste Ausschreibung für sogenannte Langzeitkapazitäten bereits am 1. September 2026 starten. Gemeint sind Anlagen, die mindestens zehn Stunden am Stück ihre Leistung erbringen können. Eine zweite Runde ist für den 22. Dezember geplant. Vorher allerdings muss der Bundestag dem Entwurf zustimmen. Im Anschluss muss die EU-Kommission die Pläne final genehmigen.

Die Bundesnetzagentur hat nach Angaben von Müller bereits umfangreiche Vorarbeiten geleistet, um die Ausschreibungstermine halten zu können. Bereits im Juni sollen erste Workshops mit Marktakteuren stattfinden.

Als steuerbare Kapazitäten gelten beispielsweise flexible Kraftwerke, wie etwa Gaskraftwerke, Batterie-Großspeicher, Biogasanlagen, Wasserkraftwerke und Verbrauchseinrichtungen wie Wallboxen, die gedrosselt werden können, aber auch Industriebetriebe, die Lasten bei Stromknappheit reduzieren. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) steht in der Kritik, weil sie für 10 der 12 Gigawatt, die noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden sollen, ein „Langfristkriterium“ vorsehen will, wodurch Gaskraftwerke Kritiker bevorzugt sehen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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