Pflegereform: Pflegeheimchef Wilhelm nennt Gesetzentwurf ein reines Spargesetz und fordert mehr Lebensqualität

Die Bundesregierung will noch im Herbst eine Reform der Pflegeversicherung über die Bühne bringen. Die bislang bekannt gewordenen Pläne gingen allerdings vollständig an den Problemen im Pflegealltag vorbei, warnt Hans-Jürgen Wilhelm, Geschäftsführer der Hamburger Stiftung Altenhof, im „Spiegel“.

„Der Gesetzentwurf verdient nicht einmal den Namen Reform. Das ist ein reines Spargesetz, das noch mehr Hektik und Panik in das System bringen wird“, sagte Wilhelm. Das deutsche Pflegesystem sei „in Sicherheitsdenken gefangen“. Das treibe einerseits die Kosten in die Höhe. Vor allen Dingen lasse es „wenig Raum für Lebensqualität in der stationären Pflege“.

Wenn ein Bewohner sich beispielsweise nichts sehnlicher als eine Portion Spiegeleier wünsche, dürfe er ihm diese nicht zubereiten, wegen der Salmonellengefahr, kritisierte Wilhelm. Die Folge: „Angehörige und Pflegekassen wenden enorme Summen auf, schaffen aber häufig auch Situationen, die mit Lebenswert nicht viel zu tun haben.“

Nötig sei ein Aufbrechen der starren Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Betreuung. Diese Unterteilung verhinderte die Entwicklung von „Zwischenformen, die den Menschen mehr Freiheiten sichern könnten und zugleich den Pflegekassen Geld sparen“. Ein solches System würde mehr Spielräume für alternative Wohnformen in der Pflege eröffnen.

„Es gibt viele Menschen, die in Pflege- und Demenzdörfern oder in Kleingruppen auf dem Bauernhof besser aufgehoben wären“, so Wilhelm. Da stehe „auf dem Dorf dann halt ein Haus, in dem die Älteren zusammenwohnen und sich jemand um sie kümmert. Das ist viel mehr vom Menschen her gedacht“.

Hans-Jürgen Wilhelm ist Geschäftsführer der Stiftung Altenhof. Dazu gehören ein Pflegeheim für 118 Bewohner, ein Pflegedienst und Apartments für betreutes Wohnen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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