CDU-Wirtschaftsrat: KI-Boom könnte Finanzierung von Staat und Sozialversicherung gefährden

Der CDU-nahe Interessensverband Wirtschaftsrat der CDU warnt vor möglichen Folgen von sogenannter „Künstlicher Intelligenz“ für die Finanzierung von Staat und Sozialversicherung. Das größte wirtschaftspolitische Risiko bestehe darin, dass sich Produktivität und Lohnarbeit zunehmend voneinander entkoppeln, schreibt der Wirtschaftsrat in einem Thesenpapier zu KI, über das die „Rheinische Post“ (Freitagausgabe) berichtet. Die Renditen könnten bei wenigen globalen Technologieunternehmen anfallen, während die Lohnsumme nur schwach wachse.

Sollte der Umfang menschlicher Lohnarbeit infolge der zunehmenden Automatisierung langfristig zurückgehen und die Lohnsumme dadurch langsamer wachsen als die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung, würde sich die Finanzierungsbasis der ebenfalls beitragsfinanzierten Sozialversicherung im Verhältnis zur gesamtwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit verengen. Vor diesem Hintergrund sagte der Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU, Wolfgang Steiger, man müsse frühzeitig prüfen, ob die Steuer- und Sozialversicherungssysteme auf diese Veränderung ausreichend vorbereitet seien.

Die Linke warnte unterdessen davor, dass verstärkter KI-Einsatz zu einer weiteren Belastung der Beschäftigten führen könnte. Mehrere Harvard-Studien hätten aufgezeigt, dass intensive KI-Nutzung bei den Beschäftigten zu kognitiver Überlastung und eher noch mehr Stress führe, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Donata Vogtschmidt, Sprecherin für Digitalpolitik. „Die Investitionen in den KI-Sektor stehen seit Jahren in einem zweifelhaften Verhältnis zum wirtschaftlich messbaren Output, hinzu kommt der enorme zusätzliche Energieverbrauch. Ich sorge mich stark davor, dass die eigentlichen Kosten der alltäglichen KI-Nutzung völlig unterschätzt werden“, so Vogtschmidt.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    Pflegereform: Städtetag-Präsident Jung fordert Vollversicherung und Eigenanteil-Deckel

    In der Debatte um die anstehende Pflegereform fordert der Deutsche Städtetag die Einführung einer Pflegevollversicherung. „So würden Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, nicht mehr wegen der Pflegekosten…

    Cum-Ex und Cum-Cum: Deutschland holt Milliarden zurück – doch Kritiker fordern mehr Tempo

    Die Aufarbeitung der Cum-Ex- und der Cum-Cum-Fälle kommt voran. In beiden Bereichen steigt sowohl die Zahl der aufgeklärten Fälle als auch die Summe der Rückforderungen. Das geht aus dem jüngsten…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert