KfW-Studienkredit: Studierende zahlen 2026 im Schnitt 4493 Euro Zinsen – Linke kritisiert „Armutsfalle“

Studierende, die bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Darlehen aufnehmen, müssen im Zuge der Rückzahlung immer mehr Zinsen aufbringen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, über die die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (Donnerstagsausgaben) berichten.

Demnach lag die durchschnittliche Gesamtzinsbelastung bei vollgetilgten Darlehen im Jahr 2017 noch bei 1.633 Euro, 2026 aber etwa dreimal so hoch, nämlich bei 4.493 Euro. Die Zinssätze pendeln laut der Antwort aktuell zwischen weniger als 5 und mehr als 7 Prozent. Von zuletzt 159.511 Darlehen in der Rückzahlungsphase seien 1.002 „notleidend“ gewesen, „aber nicht ausgefallen“.

Nach Angaben der KfW verfolge sie „mit dem KfW-Studienkredit keine Gewinnerzielungsabsicht. Über den Zinssatz deckt sie allerdings die während der Kreditlaufzeit entstehenden Kosten inklusive der Risiko- und Verwaltungskosten ab“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung weiter. Die Antwort auf die Frage, wie hoch der Gewinn beziehungsweise Verlust war, den die KfW in den vergangenen zehn Jahren mit dem KfW-Studienkredit gemacht hat, werde jedoch in Bezug auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Bank als vertraulich eingestuft und sei damit nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

„Dass die Zinsen von ihrem historischen Spitzenwert von fast 8 Prozent wieder leicht gesunken sind, ist für Betroffene nur ein Tropfen auf den heißen Stein – zumal der Zins 2026 schon wieder anzieht und fast 30.000 Kreditnehmende weiterhin Zinssätze von über 7 Prozent abstottern müssen“, sagte die Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag für Bildung und Wissenschaft, Nicole Gohlke, den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“. Dass Studierende im Schnitt 4.493 Euro allein an Zinsen hinblättern müssten, sei „unfassbar“ und das Zinsniveau „nach wie vor jenseits von Gut und Böse“.

Gerade in Kombination mit einem chronisch unterfinanzierten BAföG, das kaum noch Studierende erreiche, werde das System zur existenziellen Armutsfalle. „Dass das Ministerium dann auch noch die genauen KfW-Gewinne dreist zur Geheimsache erklärt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ein staatliches Förderinstrument darf keine Schuldenfalle sein. Es braucht eine grundlegende BAföG-Reform, mit einem echten Vollzuschuss und Sätzen, die zum Leben reichen“, so die Linken-Politikerin.

Laut Deutschem Studierendenwerk waren zuletzt 36 Prozent der Studierenden von Armut betroffen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    Tankrabatt ab 1. Oktober: CDU-Sozialflügel drängt auf schnelle Direktzahlungen für Geringverdiener

    Der Chef des CDU-Sozialflügels (CDA), Dennis Radtke, hat die Bundesregierung aufgerufen, nach dem Inkrafttreten des allgemeinen Tankrabatts schnell die Voraussetzungen für Direktzahlungen an die Bürger zu schaffen. „Es ist richtig,…

    Tankrabatt: Schwesig begrüßt Inkrafttreten und fordert Preisdeckel sowie Übergewinnsteuer für niedrigere Spritpreise

    Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), begrüßt das Inkrafttreten des neuen Tankrabatts, fordert aber weitere Schritte für dauerhaft niedrigere Spritpreise. „Der Tankrabatt ist eine wichtige und dringend notwendige Entlastung“,…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert