Israelische Menschenrechtsorganisation B`Tselem wirft Israel Völkermord im Gazastreifen vor

Die Direktorin der israelischen Menschenrechtsorganisation B`Tselem, Yuli Novak, erhebt scharfe Vorwürfe gegen die israelische Kriegsführung.

„Wir wissen seit einem Jahr, dass Israel an den Palästinensern im Gazastreifen einen Völkermord verübt“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagsausgabe). Es sei entscheidend, jetzt zu handeln, statt auf eine juristische Feststellung zu warten. Schließlich falle die juristische Entscheidung manchmal erst dann, wenn das bedrohte Volk bereits ausgelöscht worden sei.

Erst kürzlich veröffentlichte B`Tselem einen Bericht mit dem Titel „Our Genocide“ – unser Genozid. Darin beschuldigt die Organisation die israelische Regierung, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Novak und ihre Kollegen stützen diese Einschätzung auf Informationen und Augenzeugenberichte, welche die gezielte und systematische Tötung von Palästinensern, die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen sowie auf Hinweise, die eine Vernichtungsabsicht Israels belegen sollen. Das existenzielle Bedrohungsgefühl, das durch den Hamas-Angriff am 7. Oktober hervorgerufen wurde, sei laut Novak der Auslöser für den Völkermord – und halte bis heute an.

Schwere Vorwürfe erhebt sie auch gegenüber der internationalen Politik: Deutschland und andere europäische Staaten unterstützten demnach Israel bei diesem Völkermord. Zwar habe sie Verständnis für die Komplexität der deutschen Israelpolitik, doch die Realität dürfe nicht länger verdrängt werden: „Die Nachfahren derer, die den geradezu paradigmatischen Genozid durch Deutschland erlitten haben, begehen nun selbst einen.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    Linke-Politikerin Vanessa Emde lehnt Mandatsverzicht ab

    Die umstrittene Berliner Linke-Politikerin Vanessa Emde hat Forderungen aus dem Landesvorstand nach ihrem Mandatsverzicht eine Absage erteilt. Sie werde ihr Mandat selbstverständlich weiter ausüben, teilte Emde am Sonntag mit. Demokratisch…

    FDP-Bundesparteitag: Kubicki warnt vor „zivilisatorischen Rückschritten“ in Deutschland

    FDP-Chef Wolfgang Kubicki beklagt „zivilisatorische Rückschritte“ in Deutschland.Man werde sich weder von linken noch von rechten Extremisten beeindrucken lassen und sich dem „Kulturkampf in der Migrationspolitik“ widersetzen, sagte er am…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert