IAB-Chef Fitzenberger widerspricht Merz: Arbeitsstunden in Deutschland auf Rekordniveau

Der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Bernd Fitzenberger, weist die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über die vermeintlich geringe Arbeitszeit der Deutschen zurück.

„In dieser Pauschalität stimmt die Analyse nicht“, sagte Fitzenberger dem „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe). „Es arbeiten in Deutschland mehr Menschen denn je – absolut und als Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter.“ Auch die „Summe der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden liegt auf Rekordniveau“. Um Beschäftigung und Wohlstand in Zukunft zu halten, „brauchen wir Zuwanderung beziehungsweise weniger Auswanderung, mehr Erwerbstätigkeit Älterer und mehr Arbeitszeit von Frauen“.

Fitzenberger warnte zugleich vor einer Abschaffung des Rechts auf Teilzeit. „Aus der Forschung lässt sich nicht ableiten, dass man dadurch automatisch mehr Arbeitszeit gewinnt.“ Es könne sogar das Gegenteil eintreten. „Frankreich hat 2014 eine Mindestwochenarbeitszeit von 24 Stunden eingeführt – das Ergebnis war, dass weniger Frauen gearbeitet haben“, sagte er.

Der IAB-Chef wies zudem jede pauschale Kritik an der Viertagewoche zurück. „Für junge Eltern kann eine solche `vollzeitnahe Teilzeit` eine hervorragende Lösung sein. Wenn beide zum Beispiel an je vier Tagen 25 bis 30 Stunden arbeiten und die Betreuung passt, bleiben beide im Arbeitsmarkt integriert“, sagte er. „Langfristig ist das oft produktiver als ein klassisches Ein-Vollzeitverdiener-Modell.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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