IEA-Chef Birol warnt vor Diesel- und Kerosin-Engpässen in Europa im Mai

Der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, befürchtet Diesel- und Kerosin-Engpässe in Europa. „Wenn sich die Lage nicht verbessert, könnten Diesel und Kerosin in Europa bald knapp werden. Nicht sofort, aber in den kommenden Wochen“, sagte der Ökonom dem „Spiegel“.

Europa habe vor dem Irankrieg einen großen Teil seines Diesels und Kerosins aus Raffinerien des Nahen Ostens bezogen, sagte Birol dem „Spiegel“. „Viele Treibstofflager haben sich in den vergangenen Wochen geleert. Wenn sich die globale Diesel- und Kerosinproduktion nicht bald erholt, könnte es im Monat Mai für einige europäische Staaten brenzlig werden.“ Welche Staaten das sind, wollte er nicht sagen.

Angesichts der stark gestiegenen Spritpreise und wachsenden Sorgen vor Engpässen macht sich Birol für Geschwindigkeitsbegrenzungen stark. „Deutschland sollte über ein Tempolimit auf Autobahnen nachdenken. Schon eine Verringerung der Geschwindigkeit um zehn Kilometer pro Stunde auf Autobahnfahrten kann den nationalen Ölverbrauch um bis zu sechs Prozent senken. Und wenn der Staat dann auch den öffentlichen Nahverkehr kostenlos oder deutlich günstiger macht, könnte das einige Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegen.“

Die durch den Irankrieg und die faktische Blockade der Straße von Hormus ausgelöste Energiekrise ist laut Birol noch lange nicht ausgestanden. „Mindestens 80 Energieanlagen im Nahen Osten sind im Krieg beschädigt worden: Ölfelder, Gasfelder, Raffinerien, LNG-Terminals, Pipelines.“ Selbst im besten Fall, wenn die von US-Präsident Trump verkündete Waffenruhe in ein Friedensabkommen münden und die Straße von Hormus für eine sichere Durchfahrt vollständig geöffnet werden sollte – werde es lange dauern, bis die Öl- und Gasindustrie das Vorkriegs-Produktionsniveau wieder erreiche. Und: „Wenn die Waffenruhe scheitert und Iran die Straße von Hormus blockiert, dann ist die Energiekrise sofort wieder im roten Bereich“, sagte Birol dem „Spiegel“.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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