Rentenexperte Börsch-Supan: Haltelinie für Rentenniveau nur für ärmere Hälfte der Bevölkerung einführen

Der Rentenexperte Axel Börsch-Supan fordert eine Beschränkung der geplanten Haltelinie für das Rentenniveau auf die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Die Haltelinie sei die größte Bedrohung der Lohnnebenkosten, da sie immens teuer sei, sagte der Wissenschaftler dem „Handelsblatt“.

Die von der Rentenkommission empfohlene Haltelinie von 48 Prozent solle nur für diejenigen gelten, die es wirklich nötig hätten, also für die weniger verdienende Hälfte der Bevölkerung. Besserverdiener bräuchten das nicht. Auf diese Weise könne man den Großteil der Kosten einsparen, die der Bund zu tragen hätte.

Kritisch sieht Börsch-Supan auch die von der Kommission empfohlene „Schwedenrente“, also die Kapitaldeckung im System der gesetzlichen Rentenversicherung: „Ich würde es besser finden, das über die Betriebsrenten zu organisieren: Da wissen wir, wie es funktioniert, es gibt Vorbilder in den Niederlanden, Dänemark oder Großbritannien“, sagte der langjährige Max-Planck-Forscher, der neben der Bundesregierung auch Frankreich, die EU und die OECD berät. Zudem würde eine obligatorische Betriebsrente nur die Hälfte der Unternehmen zusätzlich belasten, weil die andere Hälfte schon heute Betriebsrenten zahle.

„In einem monopolistischen Staatsfonds hat der Staat als Aufsichtsrat letztlich das Sagen, wie investiert wird“, begründete Börsch-Supan seine Kritik. „In kleinen Ländern wie Schweden oder Norwegen mit einer Tradition von Transparenz mag ein Staatsfonds gute Renditen bringen, aber Deutschland ist groß, hat nicht gerade einen Ruf als sehr transparenzbewusst, und sollte daher auf Wettbewerb setzen.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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