Die BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag hat die Staatsregierung aufgefordert, die Versorgung von Menschen mit Fluorchinolon-Langzeitschäden in Sachsen systematisch zu erfassen und koordinierte Hilfen anzubieten. Das teilte die Fraktion am Montag in Dresden mit.
Hintergrund sind mehrere Kleine Anfragen des gesundheitspolitischen Sprechers Ronny Kupke.
Die Staatsregierung räumt demnach ein, dass Fluorchinolon-Antibiotika langanhaltende und teils irreversible Gesundheitsschäden verursachen können. Zugleich erklärte sie, keine belastbaren Daten über die Versorgungslage der Betroffenen zu haben.
In ihrer jüngsten Antwort vom 27. Juli verwies sie auf noch nicht abgeschlossene interne Überlegungen; das Thema sei in den von ihr genannten Fachgremien bislang nicht behandelt worden.
Die BSW-Fraktion fordert eine landesweite Erhebung zur Zahl der Betroffenen, eine koordinierte Anlauf- und Beratungsstruktur sowie eine bessere Vernetzung von Ärzten, Kliniken, Reha-Trägern, Krankenkassen und Rentenversicherung. Außerdem verlangt sie eine Informationsinitiative mit der Sächsischen Landesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung sowie eine sächsische Initiative auf Bundesebene für eine bessere medizinische und sozialrechtliche Anerkennung der Erkrankungsfolgen.
Kupke sagte: „Betroffene brauchen keine weiteren Zuständigkeitsdebatten, sondern medizinische Unterstützung, fachkundige Beratung und faire Entscheidungen bei Rehabilitation, Grad der Behinderung oder Erwerbsminderungsrente. Die Staatsregierung muss aus ihrer Kenntnis der Risiken endlich konkretes Handeln ableiten.“
Bereits 2019 hatte das Wissenschaftliche Institut der AOK geschätzt, dass bundesweit mehr als 40.000 zusätzliche schwerwiegende Nebenwirkungen und bis zu 140 zusätzliche Todesfälle im Zusammenhang mit Fluorchinolon-Verordnungen aufgetreten sein könnten.
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