In dem vor wenigen Tagen gestarteten Prozess gegen Meta in Kalifornien sieht der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree das Tech-Unternehmen erstmals in echter Bedrängnis. „Meta scheint zu merken: Dieses Mal ist ernsthaft Gefahr im Verzug“, sagte Andree dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Andree verwies auf das Verhalten des Konzerns im Vorfeld: Meta habe gemeinsam mit anderen Onlinediensten dem Breathitt County School District im US-Bundesstaat Kentucky außergerichtlich 27 Millionen Dollar gezahlt, um einen Prozess zu vermeiden. „Ich finde es hochinteressant, dass ein Tech-Konzern wie Meta, der normalerweise maximal aggressiv in die letzte Revisionsstufe gehen würde, so etwas tut“, so Andree.
Dem Konzern wird vorgeworfen, Minderjährige durch seine Plattformen Instagram und Facebook abhängig und psychisch krank zu machen. Besonders interessant sei der strategische Ansatz der Kläger: Die Funktionen der Plattformen selbst stehen im Mittelpunkt – endloses Scrollen, häufige Benachrichtigungen, das Zählen von Gefällt-mir-Reaktionen. „Das ist der eigentlich geniale Schachzug der Kläger“, sagte Andree. Ermöglicht worden sei dies vor allem durch die Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen: „Mit den sogenannten Facebook Files konnte sie sehr detailliert zeigen, dass das Management von Meta sich vollständig darüber im Klaren war, welche Gefahren für die psychische Gesundheit von ihren Plattformen ausgehen. Trotzdem haben sie genau diese Funktionalitäten aktiv weiter verstärkt.“
Im Raum stehen Strafzahlungen von bis zu 1,4 Billionen Dollar – fast so hoch wie der gesamte Börsenwert des Unternehmens. Eine existenzielle Bedrohung hält Andree dennoch für unwahrscheinlich: „Ich kann mir in der aktuellen politischen Gesamtlage nicht vorstellen, dass die USA Urteile gegen ihre Vorzeigeunternehmen aussprechen, die diese existenziell gefährden. Denn Donald Trump nutzt diese ja zunehmend auch geopolitisch als Machtinstrument und hegt und pflegt sie entsprechend regulatorisch.“
Auch für Europa sieht Andree wenig Spielraum. Erst im Juli hatte Trump die EU-Kommission wegen einer Milliardenstrafe gegen Google scharf kritisiert und mit neuen Zöllen gedroht. „Ich befürchte eher, dass Trump in Zukunft jede auch noch so kleine Sanktion der EU durch entsprechende Drohgebärden und aggressive Reaktionen zu unterbinden versucht“, sagte Andree.
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