Verfassungsschutz warnt vor „Booster“ der Cyber-Bedrohungslage durch KI

Bei Cyberangriffen auf Unternehmen oder Behörden nimmt das Thema Künstliche Intelligenz weiter rasant an Bedeutung zu.

Der Einsatz von KI sei „geradezu ein Booster hinsichtlich der Bedrohungslage“, sagte Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen am Mittwoch bei der Vorstellung der Wirtschaftsschutzstudie 2026 in Berlin. „Die Cyberangriffe nehmen zu, in Quantität und Qualität, und die Erkennbarkeit von Angriffen wird dadurch auch aufwendiger und schwieriger.“ Man habe es mit kontinuierlichen adaptiven Angriffen zu tun, „die eine echte Herausforderung in Zukunft darstellen werden“.

Mit Blick auf Beispiele für die zunehmende Qualität der Angriffe verwies Selen unter anderem auf einen Angriff aus China. Dieser sei „vollständig KI-generiert durchgeführt“ worden, sagte er der dts Nachrichtenagentur. „Das ist schon mal bemerkenswert. Das ist nicht nur auf China beschränkt, sondern mittlerweile sind diese Fähigkeiten so frei verfügbar, dass wir damit in Zukunft rechnen müssen.“

Darüber hinaus sehe er Entwicklungen im Bereich Social Engineering. So seien Phishing-Angriffe in der Anfangszeit in der Qualität „nicht ganz so großartig“ gewesen. „Das ändert sich gerade gewaltig durch KI-Einsatz. Es ist sehr punktgenau. Es sind `tailored operations` und sie weisen weniger Fehler auf.“ Seine Befürchtung sei zudem, dass man in dem Bereich „erst am Anfang einer Entwicklung“ stehe, so Selen.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst verwies unterdessen darauf, dass sich die Zahl der Ransomware-Angriffe deutlich reduziert habe, während die Zahl der Deepfakes und Robocalls zunehme. Bei der Abwehr sei man da gerade in einer „Transitionsphase“, sagte Wintergerst der dts Nachrichtenagentur. Das gelte auch für Fälle, in denen KI-Modelle eigenständig Angriffe durchführen.

„Ich glaube, die Phase, die momentan herrscht, ist, dass die Unternehmen immer noch in der Anwendungserprobung von KI sind.“ Der Schutz durch KI gegen KI sei gerade tatsächlich erst am Anfang. Beeindruckend sei vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich die Wirtschaft umstellen müsse und mit der sich auch die Sicherheitsabteilungen neu orientieren müssten. „Und das braucht wiederum andere Angebote, auch im deutschen Markt. Also es braucht Unternehmen oder Institute, die sicherstellen, dass die Unternehmen auch zuverlässig ihre Software prüfen können“, so der Bitkom-Präsident.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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