Historiker belegt: BND steuerte Eichmann-Prozess 1961 zum Schutz von Globke

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat 1961 mit dem Segen des Kanzleramts offenbar einen Agenten in den Eichmann-Prozess eingeschleust, um die Verteidigung des Angeklagten im Sinn der damaligen Bundesregierung zu steuern. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf den Zeithistoriker Klaus-Dietmar Henke.

Ein junger Anwalt, der Eichmanns Verteidiger assistiert habe, habe sich gleichzeitig vom BND als Agent anwerben lassen, heißt es. Ziel der Operation soll es gewesen sein, Konrad Adenauers wichtigsten Berater zu schützen: Staatssekretär Hans Globke, den Leiter des Kanzleramts. Die Verantwortung Globkes und anderer ehemaliger Mitläufer, Kollaborateure und Nazi-Größen bei der sogenannten Endlösung sollte unbedingt aus dem Prozess herausgehalten werden.

Zu verdanken sind diese neuen Erkenntnisse dem Zeithistoriker Klaus-Dietmar Henke, der die Unabhängige Historikerkommission geleitet hat, die von 2011 bis 2022 die problematische Frühgeschichte des BND untersuchte und der Einsicht in Akten bekam, die bislang verschlossen waren. Daraus ging jetzt das Buch „Vergangenheitsabwehr“ hervor, eine Studie über die Machenschaften, mit denen der Eichmann-Prozess im Auftrag des Kanzleramts manipuliert wurde. Es erscheint Mitte September.

Adolf Eichmann, der ehemalige SS-Obersturmbannführer, verantwortlich für den millionenfachen Mord an den Juden, musste sich stellvertretend für hunderttausend Mittäter in Jerusalem für den Holocaust verantworten. Globke war zwar nie in die NSDAP eingetreten, aber als Beamter hatte er bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten damit begonnen, die juristischen und administrativen Grundlagen für den Holocaust zu schaffen. 1936 hat er den maßgeblichen Kommentar zu den „Nürnberger Gesetzen“ mitverfasst, die in der Wannsee-Konferenz ausdrücklich zur Grundlage der „Endlösung“ erklärt worden waren. Trotz dieser Belastung konnte Globke nach dem Krieg seine Laufbahn ungehindert fortsetzen und wurde zur unersetzlichen Stütze des Kanzlers. Deshalb musste laut SZ im Interesse der Bundesregierung mit allen, auch allen illegalen Mitteln verhindert werden, dass Eichmann vor Gericht auf weitere Personen verweisen würde, an der Spitze auf den zum Kanzlerberater aufgestiegenen Verwaltungsfachmann, der früher Hitler gedient hatte und jetzt für Adenauer die Geschäfte führte.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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