Pausder: 100.000 neue Jobs durch Start-ups – Politik bremst Gründer

Die Chefin des Deutschen Start-up-Verbands, Verena Pausder, sieht in der Start-up-Branche enormes Potenzial für die deutsche Wirtschaft. „Wenn man sich anguckt, dass in den großen Start-ups in den letzten vier Jahren 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, dann ist mein Eindruck, dass die Wirtschaftskraft, dass Arbeitsplätze, die geschaffen werden, deutlich steigen werden in den nächsten Jahren“, sagte Pausder dem „Interview der Woche“ der ARD.

Den jüngsten Gründungsboom – allein 3.000 Tech-Start-ups seien im ersten Halbjahr gegründet worden – gebe es allerdings nicht wegen, sondern trotz der aktuellen Politik. „All diese Gründungen sind nicht entstanden, weil irgendein Politiker oder Politikerin gesagt hat, du darfst jetzt, sondern die sind entstanden, obwohl es wochenlang dauert, in diesem Land zu gründen, wo es in anderen Ländern in der EU in 24 Stunden passieren kann“, so die Start-up-Verbandschefin weiter.

Pausder, die selbst einst ein Start-up gegründet, mittlerweile aber verkauft hat, spricht von einem enormen Wunsch, Neues in die Welt zu setzen. Sie verweist zum Beispiel auf Isar Aerospace, die bald schon 40 Trägerraketen für Satelliten pro Jahr bauen könnten, und Proxima Fusion, die am ersten Fusionskraftwerk Deutschlands mit magnetbasierter Technologie arbeiteten. Diese seien angetrieben von Optimismus. „Man gründet die ja, weil man denkt, nein, die Welt geht morgen nicht unter. Ich will sie deutlich verbessern, vergrößern, Europa auf die Landkarte setzen. Und ich glaube, dieser positive Größenwahn, der tut Deutschland gut.“ Überhaupt seien „Krisenzeiten auch Unternehmerzeiten“. Wenn die Sicherheit in einer vermeintlichen Festanstellung nicht mehr so hoch empfunden werde, dann steige die Bereitschaft, ins Risiko zu gehen.

Pausder sieht aber auch in der Bundesregierung ein Umdenken: „Die Politik hat gemerkt, dass da was entsteht, wo man sich mal mehr hinwenden könnte und gucken könnte, wie verstärkt man das.“ Verstärkt werden sollte, dass in Start-ups investiert wird, auch zum Beispiel durch Versicherungen und Pensionskassen. Deutschland sei derzeit noch zu risikoavers. Sie verweist auf die Win-Initiative, die noch von der Ampelregierung auf den Weg gebracht wurde. „Die sagt, 12,5 Milliarden wollen Versicherer und Pensionskassen direkt in Venture Capital investieren“, so die Chefin des Deutschen Start-up-Verbands. Das sei kein Geld, was durch den Bundeshaushalt müsse, und auch kein Steuergeld. „Also wenn ich der Bundeskanzler wäre, würde ich die, die da unterzeichnet haben, ins Kanzleramt einladen, sagen, ihr habt 12,5 Milliarden zugesagt, wir stehen bei 2,3. Das Ganze wolltet ihr bis 2030 machen, woran liegt`s, wie kann ich helfen?“, so Pausder weiter.

Besser laufen müssten auch die Gründungen direkt an den Universitäten. Es sei komplex, es fehlten Standardverträge und eine Regelung, wie der Professor und die Uni beteiligt würden. Dabei sei das ein wichtiger Bereich. „An den Hochschulen liegt das Gold unseres Landes. Wir haben Weltklasse-Forschung und Entwicklung, wir haben die besten wissenschaftlichen Innovationen in sämtlichen Bereichen, die die Zukunft braucht“, sagte Pausder dem „Interview der Woche“ der ARD.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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