Elektronische Patientenakte: Hausärzteverband kritisiert geplante Einsicht der Krankenkassen scharf

Der Chef des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Blumenthal-Beier, kritisiert den Plan der schwarz-roten Koalition, Krankenkassen Einsicht in elektronische Patientenakten (ePA) zu gestatten.

„Das wäre ein Dammbruch und würde das Vertrauen der Menschen in die Digitalisierung des Gesundheitswesens weiter schwächen“, sagte Blumenthal-Beier dem „Spiegel“. Beim Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten dürfe „es keinen Verhandlungsspielraum geben“. Die Regierung konterkariere mit dem Digitalgesetz ihre Beteuerungen, dass niemand außer Patienten und Ärzten in die ePA schauen dürfe, sagte der Verbandschef.

„Die Krankenkassen erhalten in diesem Zuge immer mehr Einfluss auf die medizinische Versorgung“, sagte Blumenthal-Beier. Damit erhöhe sich „die Möglichkeit, Patientendaten zu analysieren, Profile zu erstellen und die Patienten direkt anzusprechen“. Er habe nicht den Eindruck, dass den politisch Verantwortlichen klar sei, welche Tür sie damit öffneten.

Im Kabinettsbeschluss zum Digitalgesetz heißt es, dass Patienten zustimmen müssen, damit Kassen die ePA auswerten dürfen. Die Hausärzte zweifeln daran, wie transparent und unabhängig eine solche Zustimmung sein könne. Die Menschen müssten sehr ausdrücklich auf die massiven Folgen ihrer Entscheidung hingewiesen werden, warnt Blumenthal-Beier. „Ein Hinweis, der sich irgendwo in den AGBs versteckt, darf kein Freifahrtschein sein, um in die intimsten Daten der Patienten zu schauen.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    EEG-Novelle: Agora Energiewende warnt vor Milliarden-Mehrkosten für den Bundeshaushalt bis 2030

    Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Energiewende zu geringeren Kosten umsetzen als bisher. Doch laut Berechnungen des Thinktanks Agora Energiewende würde die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) das Gegenteil bewirken,…

    Flugabwehr verspätet: Bundeswehr kauft bei Rheinmetall-Konkurrent Diehl 48 GARMR-Systeme für Litauen-Brigade

    Die Bundeswehr setzt beim Wiederaufbau der heereseigenen Flugabwehr offenbar auf eine Zwischenlösung, weil es beim Luftverteidigungssystem Skyranger von Rheinmetall wohl große Lieferverzögerungen gibt.Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet,…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert