Studie: Lebenserwartung in Westeuropa driftet auseinander, regionale Unterschiede nehmen zu

Die Lebenserwartung in Westeuropa driftet zunehmend auseinander. Das zeigt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des französischen Instituts für demografische Studien (INED), die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht wurde.

Seit Mitte der 2000er-Jahre vertieft sich demnach die Kluft zwischen westeuropäischen Regionen mit hoher und mit stagnierender Lebenserwartung deutlich. Zwischen 1992 und 2005 stieg die Lebenserwartung in Westeuropa schnell an, bei Männern um rund 3,5 Monate pro Jahr, bei Frauen um 2,5 Monate. Seit 2005 hat sich das Wachstum jedoch verlangsamt. In den Jahren 2018 und 2019 betrug der jährliche Zuwachs nur noch etwa zwei Monate für Männer und ein Monat für Frauen.

Besonders Regionen mit niedriger Lebenserwartung verzeichneten geringere Anstiege. „Ausschlaggebend ist hierbei die Entwicklung der Sterblichkeit bei den 55- bis 74-Jährigen“, sagte Pavel Grigoriev, Forschungsgruppenleiter am BiB und einer der beiden Hauptautoren der Studie. „In manchen Regionen stagnierte die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe oder stieg sogar wieder an. Dies ist eine sehr besorgniserregende Entwicklung, da viele dieser Menschen noch mitten im Leben stehen und erwerbstätig sind.“

In Deutschland glich sich die regionale Lebenserwartung zwischen 1990 und 2005 stark an. Nach 2005 verlangsamte sich der Fortschritt in allen Regionen. Neben Ostdeutschland verzeichneten auch einige Regionen im Norden und Westen ungünstige Entwicklungen, insbesondere bei Frauen aufgrund des Tabakkonsums. Sebastian Klüsener vom BiB fasste zusammen, dass keine deutsche Region in den oberen zehn Prozent aller westeuropäischen Regionen mit der höchsten Lebenserwartung vertreten sei.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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