Bundesfamilienministerin Prien: Gesetz gegen Bildschirmzeit für Kleinkinder denkbar

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will Eltern bei der Begrenzung der Bildschirmzeiten ihrer Kinder stärker in die Pflicht nehmen. Es müsste eigentlich gesellschaftlicher Standard sein, dass Kinder unter drei Jahren überhaupt keinen Kontakt zu digitalen Endgeräten haben, sagte Prien der „Welt am Sonntag“.

Um das zu erreichen, könne man über gesetzliche Regelungen zumindest nachdenken. Man regele ja auch andere Pflichten von Eltern im Bürgerlichen Gesetzbuch, etwa die gewaltfreie Erziehung, sagte die CDU-Politikerin.

Der Staat solle zwar nicht ins Kinderzimmer hineinregieren, so die Ministerin. Aber man müsse Eltern viel deutlicher sagen, welche Folgen ihr Verhalten für die Entwicklung ihrer Kinder habe. „Wir sehen dramatische Folgen – übrigens nicht nur, weil Kinder ständig am Bildschirm hängen, sondern auch, weil Eltern es tun.“

Über das Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz will die Familien- und Bildungsministerin zudem regeln, dass rund um den vierten Geburtstag alle Kinder auf ihren Sprach- und Entwicklungsstand untersucht werden. „Wir sehen immer mehr Entwicklungsverzögerungen – nicht nur sprachlich, sondern auch sozial-emotional. Selbstregulation ist ein großes Thema“, so Prien.

Kinder mit besonderem Förderbedarf müssten gezielt gefördert werden, besonders im Jahr vor der Schule. „Ich halte das für einen echten Gamechanger im Bildungssystem.“ Über eine mögliche Kita-Pflicht müssten die Länder aber selbst entscheiden. Manche setzten auf ein verpflichtendes Kita-Jahr, andere auf vorgezogene Schulpflicht. Prien erklärte, sie finde nicht, dass der Bund den Ländern das detailliert vorschreiben sollte.

Mit Blick auf die schlechten Ergebnisse im IQB-Bildungstrend sagte Prien, sie arbeite gemeinsam mit den Ländern derzeit daran, wie die Trendwende gelingen könne. Wichtig sei vor allem die Konzentration auf basale Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. „Zudem wollen wir den Leistungsstand regelmäßig mit Daten erheben“, so Prien. „Wir können es uns nicht leisten, dass etwa ein Viertel der Kinder in Deutschland die Grundschule verlässt, ohne richtig lesen zu können. Das ist einfach nicht hinnehmbar.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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