Spitzenforscher fordern klare Leitlinien gegen Wissenschaftsspionage und Wissensabfluss

Führende deutsche Forschungsorganisationen fordern klare Leitlinien zum Schutz sicherheitsrelevanten Wissens.

Internationale Offenheit der Wissenschaft bleibe zwar „unverzichtbar“, sagte der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Christoph Schmidt, dem „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe). Sie müsse aber stärker als früher gegen die Risiken des Wissensabflusses und des Missbrauchs abgewogen werden.

Schmidt verwies auf einen Sinneswandel in der Wissenschaft. Vor allem bei Schlüsseltechnologien wie sogenannter „Künstlicher Intelligenz“ (KI) sei heute viel präsenter, dass sie fast unweigerlich ein Multiple-Use-Potenzial aufweisen. Gemeint ist damit, dass Forschungsergebnisse oder Technologien auf unterschiedliche Weise genutzt werden können, etwa auch militärisch.

Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Holger Hanselka, sagte dem „Handelsblatt“, er erwarte von den zuständigen Behörden „belastbare Leitlinien, um Risiken faktenbasiert bewerten zu können“ sowie „klare Kriterien und Rechtssicherheit für die Bewertung sensibler Technologien“.

Pauschale Verbote oder Abschottung lehnt Hanselka ab. Angesichts der sensiblen und anwendungsorientierten Forschung sei das Risikobewusstsein bei Fraunhofer „hoch“. Zu möglichen Sicherheitsüberprüfungen von Forschern sagte Hanselka, man unterstütze Sicherheitsüberprüfungen dort, wo der Staat für sicherheitsempfindliche Tätigkeiten oder Bereiche einen entsprechenden Schutzbedarf feststellt und hierfür eine gesetzliche Grundlage besteht.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    Frankreich: Hunderttausende protestieren gegen Bildungssystem und hohe Lebenshaltungskosten – Ausschreitungen und 400 Festnahmen

    In Frankreich haben am Samstag Hunderttausende Menschen gegen Missstände im Bildungssystem und hohe Lebenshaltungskosten demonstriert.Frankreichs Innenminister Laurent Nunez bezifferte die Zahl der Demonstranten auf 550.000, davon 110.000 in Paris. Die…

    Georg Cremer: „Wir sind nicht Kunden eines Lieferando-Staats“ – Kritik an Gerechtigkeitsdebatte

    Der frühere Caritas-Generalsekretär Georg Cremer kritisiert, wie die Debatte über Gerechtigkeit in Deutschland geführt wird. „Ich finde, dass sich ein zu konsumistisches Politikverständnis breitgemacht hat“, sagte Cremer dem „Spiegel“.Viele Bürger…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert