Der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, hat vor den Folgen eines möglichen starken Abschneidens der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewarnt. Das mögliche Regierungsprogramm der Partei stehe im Widerspruch zu christlichen Werten und könne erhebliche Folgen für Bildung, Kultur und Sozialwesen haben, sagte Feige den Zeitungen der Mediengruppe Bayern (Samstagausgabe).
Die AfD in Sachsen-Anhalt wurde vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
„Das ist nicht vereinbar mit dem christlichen Glauben und unseren christlichen Werten“, sagte Feige. Er verwies unter anderem auf mögliche Auswirkungen auf Theater, Schulen, Kindertagesstätten, Beratungsdienste und den Umgang mit sozial Schwachen.
Auch wirtschaftlich könne ein AfD-geführtes Land Schaden nehmen.
„Menschen und Unternehmen könnten Sachsen-Anhalt verlassen. Die Auswirkungen wären verheerend“, sagte der Bischof.
Feige rief die Menschen dazu auf, sich vor der Wahl intensiv mit den Programmen der Parteien auseinanderzusetzen.
„Lest euch bewusst durch, was ihr da wählt“, sagte er. Die vom Bistum Magdeburg initiierte kirchliche Initiative „Bewusst wählen“ sei ausdrücklich keine Wahlempfehlung.
Christen könnten konservativ, liberal, sozial oder ökologisch wählen. „Einen Schnitt mache ich aber dort, wo es um Extremismus geht. Da ist eine Grenze“, sagte Feige.
Der Bischof sieht in Sachsen-Anhalt eine zunehmende Polarisierung.
Er nehme bei Begegnungen mit Menschen eine Angst wahr, „dass die Verhältnisse kippen könnten“.
Dass bestimmte politische Themen in Familien, Freundeskreisen und Nachbarschaften nicht mehr angesprochen würden, um Streit zu vermeiden, erinnere ihn teilweise an seine Erfahrungen in der DDR. „Man wusste, mit wem man worüber sprechen kann. Das andere hat man in der Öffentlichkeit nicht gesagt“, sagte Feige.
Heute sei eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. „Aber das ist eine gefährliche Entwicklung.“
Feige warnte insbesondere davor, die AfD nur anhand ihrer Wahlplakate oder einzelner Botschaften zu beurteilen.
Viele Menschen würden die Wahlprogramme nicht lesen: Die Kirche wolle deshalb nicht lediglich gegen die AfD mobilisieren, sondern christliche Werte stärker in die gesellschaftliche Debatte einbringen. „Man soll nicht aus dem Bauch heraus ins Blaue hinein wählen“, sagte der Bischof.
Die AfD gebe sich in Sachsen-Anhalt als christlicher als die Kirchen, ihr Programm stehe aber konträr zu den Prinzipien der katholischen Soziallehre, kritisierte Feige.
Die Menschenwürde, Nächstenliebe, Solidarität und der Dialog seien zentrale christliche Werte. Die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch beeindrucke allerdings viele Menschen kaum, sagte Feige.
Die Kirche müsse sich angesichts solcher Entwicklungen auch politisch zu Wort melden.
„Wenn Kirche schweigt, ist das auch politisch“, sagte Feige. Das Evangelium sei nicht unpolitisch, der christliche Glaube darauf ausgerichtet, die Gesellschaft mitzugestalten.
Bei grundsätzlichen Wertfragen müsse die Kirche ihre Stimme erheben. Bei konkreten politischen Lösungen und dem politischen Tagesgeschäft seien dagegen Experten und demokratisch legitimierte Verantwortungsträger gefragt.
Menschen, die aus Enttäuschung nicht wählen wollten, müssten sich bewusst machen, dass sie damit Verantwortung für die weitere Entwicklung übernähmen.
„Jede Stimme zählt“, sagte Feige.
Von den Parteien erwartet er nach der Wahl vor allem Bürgernähe, Glaubwürdigkeit und die Bereitschaft, auch mit Menschen im Gespräch zu bleiben, die sich von der Politik abgewandt haben. Seit der deutschen Einheit habe sich zwar vieles zum Besseren entwickelt.
Zugleich gebe es im Osten Deutschlands weiterhin das Gefühl, dass bestimmte Erfahrungen und Befindlichkeiten nicht ausreichend wahrgenommen würden.
Feige, der seit 2005 Bischof von Magdeburg ist, geht in einigen Monaten in den Ruhestand. Mit Blick auf die Entwicklung der katholischen Kirche seit der deutschen Einheit sprach er von einer zunehmenden Säkularisierung, Pluralisierung und Individualisierung.
Die Kirche verstehe sich heute nicht als geschlossene Gruppe, sondern als „schöpferische Minderheit“, die mit anderen gesellschaftlichen Partnern zusammenarbeite. Die Herausforderungen würden künftig vermutlich noch dramatischer – „nicht nur für uns, sondern insgesamt in Deutschland“.
Foto: via dts Nachrichtenagentur

