Rentenökonom Bofinger fordert Abschaffung der Rente mit 63: Regelung sei nicht zu rechtfertigen

Der langjährige „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger warnt die SPD, auf die Abschaffung der „Rente mit 63“ zu verzichten. Ökonomisch lasse sich ein Festhalten an der Regelung nicht rechtfertigen. Sie sei zudem „sehr kostspielig“, sagte Bofinger dem „Spiegel“. Die Abschaffung bestrafe nicht die Fleißigen. Im Gegenteil: Es falle „ein Bonus weg, der von den geleisteten Einzahlungen her nicht gerechtfertigt ist“, so Bofinger.

Bofinger widerspricht dem Argument, die Rente für besonders langjährig Versicherte belohne die Lebensleistung Fleißiger. Wer länger arbeite, bekomme im deutschen System bereits eine höhere Rente als jemand mit weniger Beitragszeiten. „Das ist die Art, wie das deutsche Rentensystem Leistung honoriert“, so Bofinger. Wer 45 statt 40 Jahre arbeite, habe am Ende 12,5 Prozent mehr Rente zur Verfügung.

Ein Beibehalten der „Rente mit 63“ müssten andere Gruppen bezahlen. „Die Kosten tragen alle Beitragszahler, die Arbeitnehmer ebenso wie die Arbeitgeber. Dann kommen noch alle anderen Rentenbezieher dazu, weil für die am Ende weniger Geld im Topf ist“, sagte Bofinger. Die daraus entstehenden Kosten seien erheblich. Die Schätzungen lägen zwischen fünf und zehn Milliarden Euro, so der Ökonom. Zehn Milliarden Euro entspreche wiederum „in etwa einem halben Beitragspunkt“.

Bofinger ist Seniorprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg. Auf Vorschlag der SPD war Bofinger Mitglied der Rentenkommission der Bundesregierung. Von 2004 bis 2019 gehörte er dem Sachverständigenrat Wirtschaft an, den sogenannten „Wirtschaftsweisen“.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    Eintracht Braunschweig: Fan stirbt nach medizinischem Notfall vor Spiel gegen Dynamo Dresden

    Bei der Partie in der 2. Fußball-Bundesliga zwischen Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden ist am Samstag ein Braunschweig-Fan verstorben. Das teilte der Zweitliga-Verein Eintracht Braunschweig am Samstag mit.Vor dem Anpfiff…

    Trotz Ukraine-Krieg: Deutsche Städte halten an Partnerschaften mit Russland fest – Umfrage unter 100 Kommunen

    Trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und zunehmender hybrider Angriffe in Europa halten Deutschlands Städte und Gemeinden an ihren russischen Städtepartnerschaften fest. Das zeigt eine Umfrage des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert