Der Dax ist am Donnerstag nach einem bereits schwachen Start in den Handelstag bis zum Mittag weiter klar im roten Bereich geblieben. Gegen 12:30 Uhr wurde der Leitindex mit rund 25.070 Punkten berechnet, 0,5 Prozent unter dem Schlussniveau vom Vortag.
„Der Dax kämpft zur Stunde mit der Marke von 25.000 Punkten“, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. „Steigende Energiepreise und gleichzeitig weiter anziehende Anleiherenditen treiben die Anleger zunehmend aus dem Aktienmarkt.“
„Die hohen Ölpreise schüren die Sorge vor einem erneuten Preisschub und damit vor einer länger restriktiven Geldpolitik. Gleichzeitig fallen die Kurse vieler Staatsanleihen weiter und treiben deren Renditen nach oben. Hier kommt die hohe Staatsverschuldung vieler Länder ins Spiel. Steigende Renditen verteuern die Refinanzierung und engen damit zunehmend die finanziellen Spielräume ein. Das eigentliche Problem ist dabei weniger, dass die aktuellen Renditen historisch außergewöhnlich hoch wären. Staaten, Unternehmen und Anleger haben sich vielmehr über viele Jahre an extrem niedrige Zinsen gewöhnt. Nicht die neue Zinsrealität ist ungewöhnlich, sondern die alte war es.“
Genau dieser Gewöhnungseffekt werde nun zunehmend ausgepreist. Steigende Renditen wirkten deshalb nicht mehr nur wie ein Deckel auf die Aktienmärkte, sondern begännen aktiv, auf die Kurse zu drücken. „Je attraktiver Anleihen werden, desto mehr Argumente brauchen Aktien, um das höhere Risiko und ihre teilweise ambitionierten Bewertungen zu rechtfertigen.“
Auch der britische FTSE 100 fällt am Donnerstag auf 10.460 Punkte. „Die grundsätzlich positiven Effekte steigender Energiepreise auf die schwergewichtigen Ölkonzerne reichen nicht mehr aus, um den Gegenwind vom britischen Anleihemarkt auszugleichen. Besonders für den Immobiliensektor und den privaten Konsum könnte die Kombination aus hohen Energie- und Finanzierungskosten zunehmend zur Belastung werden.“
„Damit stehen auch die jüngsten staatlichen Initiativen zur Förderung des britischen Wohnungsbaus vor einer schwierigen Bewährungsprobe. Staatliche Förderung kann Kaufanreize schaffen, aber dauerhaft hohe Hypothekenzinsen nicht kompensieren.“
„Der globale Renditeanstieg verändert damit zunehmend die Kräfteverhältnisse an den Kapitalmärkten. Aus dem bisherigen Gegenwind für Aktien könnte eine echte Umschichtungsbewegung in Richtung Anleihen werden. Sollte dieser Prozess an Fahrt gewinnen, wäre er nicht nur eine Belastung für einzelne Handelstage, sondern könnte die Aktienmärkte über die kommenden Quartale begleiten“, sagte Lipkow.
Die europäische Gemeinschaftswährung war am Donnerstagnachmittag schwächer: Ein Euro kostete 1,1287 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8860 Euro zu haben.
Der Goldpreis stieg leicht an, am Nachmittag wurden für eine Feinunze 4.165 US-Dollar gezahlt (+0,2 Prozent). Das entspricht einem Preis von 118,64 Euro pro Gramm.
Der Ölpreis stieg unterdessen stark: Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Donnerstagnachmittag gegen 12 Uhr deutscher Zeit 100,40 US-Dollar, das waren 2,4 Prozent mehr als am Schluss des vorherigen Handelstags.
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