EU-US-Handelsdeal laut Ökonom Südekum wirtschaftlich unvorteilhaft für Europa

Der Ökonom Jens Südekum hat den jüngsten Handelsdeal zwischen der EU und den USA als realpolitisch nachvollziehbar, aber wirtschaftlich unvorteilhaft für Europa bewertet. „Ein fairer Deal sieht anders aus“, schreibt der Chefberater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe). Besonders frustrierend sei, dass die von Trump angeführten Handelsungleichgewichte im Fall der EU gar nicht zuträfen, wenn man Dienstleistungen und Kapitalströme berücksichtige.

Südekum verwies auf scharfe Kritik aus mehreren EU-Staaten. Dort werde die Einigung mit der US-Regierung unter Donald Trump teils als „Akt der Selbstverzwergung“ oder gar als „Todesstoß für den freien Welthandel“ gewertet. Er selbst hält diese Reaktion für überzogen – kritisierte jedoch, dass Europa dem aggressiven Kurs Washingtons wenig entgegensetzen konnte. Zwar habe die EU mit dem Deal ein noch schlechteres Szenario abgewendet, müsse aber höhere Zölle in Kauf nehmen, während die USA wirtschaftlich klar profitierten.

Noch sei der Deal nicht in Stein gemeißelt, so Südekum. Eine Liste mit Produkten, bei denen die USA auf Zölle verzichten wollen, könne Brüssel nutzen, um in künftigen Verhandlungen Spielräume zu erweitern und dem Abkommen mehr Substanz zu geben. „So kann aus der aktuellen Einigung noch ein echter Handelsdeal werden.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

  • Related Posts

    Berliner Polizei zählt 585 Schusswaffendelikte im ersten Halbjahr 2026 – 118 Geschädigte

    Die Berliner Polizei hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 585 Delikte mit Schusswaffengebrauch registriert, darunter 324 Bedrohungen und 261 Schussabgaben. Im Vorjahreszeitraum waren es 561 Fälle, wie aus den Zahlen…

    Motorsägenhersteller Stihl rechnet 2026 mit leichtem Umsatzrückgang wegen Trockenheit in Europa

    Der für seine Motorsägen bekannte Gerätebauer Stihl senkt seine Umsatzprognose für 2026. „Aus heutiger Sicht werden wir einen leichten Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentsatz verbuchen“, sagte Stihl-Chef Michael Traub dem…

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert