Union offen für Spitzensteuersatz-Erhöhung bei umfassender Steuerreform

Die Union schließt offenbar eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes nicht mehr kategorisch aus. Das berichtet das „Handelsblatt“ (Freitagausgabe) unter Berufung auf Fraktions- und Parteikreise. Bedingung dafür wäre, dass die Maßnahme Teil einer grundlegenden Steuerreform mit kräftigen Entlastungen der meisten Steuerzahler wäre.

Der Steuerexperte Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte zuletzt einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt: Danach würde der so genannte Mittelstandsbauch – also der starke Steueranstieg für mittlere Einkommen – abgeschafft. Auch der Solidaritätszuschlag soll komplett wegfallen. Im Gegenzug schlägt Bach eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent vor. Er soll künftig aber erst ab 90.000 Euro Jahreseinkommen greifen.

Das Konzept gehe „in die richtige Richtung“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz Güntzler (CDU), der Zeitung. Er halte die Vorschläge für geeignet, um „in eine Diskussion über die dringende Reform des Einkommensteuertarifs einzusteigen“, so Güntzler. „Wir brauchen eine spürbare Entlastung der unteren und der mittleren Einkommen.“

Unterstützung kommt vom CSU-Abgeordneten Florian Dorn, der für die Union im Finanzausschuss sitzt. „Es ist ein Konzept, das durchaus als Basis dienen kann, wenn wir in der Koalition über eine mutige Einkommensteuerreform beraten“, sagte er. „Fast alle haben mehr in der Tasche, vor allem die Mittelschicht wird spürbar entlastet.“

Auch in der Fraktions- und Parteiführung lassen mittlerweile einige Gesprächsbereitschaft erkennen. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes könnte notwendig sein, um eine große Steuerreform hinzubekommen, hieß es.

Der CDU-Finanzpolitiker Güntzler lehnte eine Verschärfung der Erbschaftsteuer oder eine Vermögensteuer zur Gegenfinanzierung ab. „Beides käme jetzt zur Unzeit“, sagte er. „Es gäbe weitere Verunsicherung in der jetzt schon strauchelnden Wirtschaft.“ Stattdessen plädierte er für Einsparungen im Haushalt und den Abbau von Subventionen. Zudem brachte er eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ins Spiel. „Ich persönlich könnte mir in diesem Rahmen eine moderate Erhöhung der Umsatzsteuer vorstellen“, sagte Güntzler.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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