Das neue FDP-Präsidiumsmitglied Nadin Zaya hat ihrer Partei mehr Kompromissfähigkeit und eine achtsamere Sprache empfohlen. „Der springende Punkt ist, dass wir verlernt haben, Kompromisse einzugehen“, sagte Zaya dem Redaktionsbetzwerk Deutschland.
Die FDP habe in der Illusion gelebt, dass eine Partei 100 Prozent ihrer Forderungen umsetzen könne, wenn sie mitregiere. „Aber so funktioniert Regieren nicht. Man muss immer einen Mittelweg finden mit den Koalitionspartnern. Diese Selbstverständlichkeit müssen wir wieder mehr nach außen tragen.“
Ausdrücklich distanzierte sich Zaya von derben Formulierungen, wie sie der neue Parteivorsitzende Wolfgang Kubicki bisweilen gebraucht. Sie fühle sich nicht davon angesprochen, wenn Politiker sich gegenseitig beleidigten, sagte Zaya. „Das ist ein Vulgärliberalismus, der auch in der Mehrheit der Gesellschaft nicht gut ankommt. Meine Bewerbung hat gezeigt, dass man auch gegen zwei Konkurrenten gewinnen kann, ohne in eine vulgäre Sprache zu verfallen. Wir müssen klar, sachlich, aber mit Herz sprechen. Herr Kubicki war vorher noch nie Bundesvorsitzender. Ich bin mir sicher, dass er in seiner neuen Rolle eine andere Sprache wählen wird.“
Thematisch müsse sich die FDP bei Bildung, Digitalisierung und Menschen- und Bürgerrechten Schwerpunkte setzen. Damit sei sie im Bundestagswahlkampf 2017 erfolgreich gewesen.
Die überraschende Kandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann für den Parteivorsitz bewertete Zaya positiv. „Das zeigt, dass die FDP Wettbewerb kann“, sagte sie. Dass Strack-Zimmermann 40 Prozent erhalten habe, sei keine Niederlage. „Es ist eher eine Erinnerung an Herrn Kubicki, auch diejenigen in der FDP zu hören, die nicht seine Meinung vertreten.“ In seiner Antrittsrede habe Kubicki bereits einen integrativeren Ton angeschlagen.
Die 27-jährige Zaya hatte sich auf dem FDP-Parteitag am Samstag gegen zwei Gegenkandidaten durchgesetzt, den hessischen FDP-Vorsitzenden Thorsten Lieb und den Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Die langjährige niedersächsische Juli-Chefin kandidierte auf Vorschlag der Jungen Liberalen.
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