Historiker Van Reybrouck fordert nach AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt neue Formen der Demokratie

Der belgische Historiker David Van Reybrouck hält das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt und den Erfolg der AfD für einen Anlass, die Verfahren der Demokratie zu überprüfen.

„So sieht das Ergebnis aus, wenn man es allzu lang verpasst hat, in die Resilienz und die Erneuerung der Demokratie zu investieren“, sagte Van Reybrouck der Wochenzeitung „Die Zeit“. In Belgien und darüber hinaus ist Van Reybrouck an Experimenten beteiligt, die neue Formen der demokratischen Beteiligung erproben.

Ein Problem sei, dass Demokratie häufig auf Wahlen reduziert werde, so der Historiker. Dabei sei die heutige repräsentative Demokratie nur eine Variante unter vielen. Losverfahren etwa hätten im antiken Athen eine wichtige Rolle gespielt.

Ausgehend davon war Van Reybrouck an der Entwicklung des sogenannten Ostbelgienmodells beteiligt. Es wird mittlerweile von der OECD als ein Goldstandard institutionalisierter deliberativer Demokratien bezeichnet. Das Modell verbindet das gewählte Parlament mit einem Rat aus per Los bestimmten Bürgern sowie kurzfristigeren Bürgerversammlungen, deren Mitglieder ebenfalls ausgelost werden. Schon vor mehr als zehn Jahren führte der deutschsprachige Teil Belgiens das Verfahren ein; Städte wie Aachen, Paris und Brüssel folgten.

„Der nächste Schritt wäre es, auf der nationalen Ebene in einem kleinen europäischen Land mit dem Ostbelgienmodell zu starten“, sagte Van Reybrouck. „Das könnte auch ein deutsches Bundesland sein.“

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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