KNDS-Chef Alary hält an Börsenplänen fest: Börsengang 2026 weiterhin möglich

KNDS-Chef Jean-Paul Alary hält trotz der Aussetzung des Börsengangs im Sommer an dem Vorhaben fest. „Der Börsengang ist vorerst ausgesetzt, aber nicht abgesagt“, sagte Alary dem „Handelsblatt“. Der Verwaltungsrat habe die Entscheidung Ende Juni aufgrund der Marktbedingungen getroffen. „Die derzeit erzielbare Bewertung entspricht bisher nicht den Erwartungen der Aktionäre“, sagte er. Der Verwaltungsrat habe das Management aber gebeten, sich bereitzuhalten, „dass es jederzeit losgehen kann“.

„Ein Börsengang 2026 ist weiterhin möglich – sofern die Marktbedingungen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen“, sagte Alary dem „Handelsblatt“. Für KNDS wäre ein früher Start am besten, um das Thema abzuschließen und den Börsengang als Hebel für die nächste Entwicklungsphase zu nutzen. „Später als 2026 ist aber auch denkbar“, sagte er. Verzögere sich der Börsengang bis 2027, könnte der französische Präsidentschaftswahlkampf zum Risiko werden: „Eine Wahlperiode bringt Unsicherheit. Mitten im Wahlkampf wäre kein idealer Zeitpunkt für einen Börsengang“, so Alary. So weit sei man aber noch nicht.

Am ursprünglich verhandelten Modell will KNDS festhalten: 20 Prozent des Unternehmens sollen an die Börse gehen, jeweils 40 Prozent sollen beim französischen und beim deutschen Staat liegen – Frankreich hält derzeit 50 Prozent an KNDS. Neu ist laut Alary, dass neben institutionellen Investoren künftig auch Privatanleger zeichnen können. Das Bewertungsproblem löse dies allerdings nicht, sagte er: Sie solle aber jenen Anlegern die Teilnahme ermöglichen, die bereits Interesse signalisiert hätten.

KNDS will seine Produktion in Deutschland deutlich ausweiten und sucht dafür zwei weitere Industriepartner. „Besonders in Deutschland müssen wir die Produktion in den kommenden zwei bis drei Jahren hochfahren“, sagte Alary dem „Handelsblatt“. „In Deutschland brauchen wir zwei potenzielle Partner. Bei mindestens einem könnte noch vor Jahresende eine Ankündigung erfolgen.“

Hintergrund ist die stark gestiegene Nachfrage: Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37 Prozent, der Auftragseingang um 38 Prozent. „Für das Gesamtjahr erwarten wir rund 30 Prozent Umsatzwachstum“, sagte Alary.

Für den Kapazitätsausbau will KNDS 2026 und 2027 rund 1,5 Milliarden Euro investieren – in alle drei Unternehmensbereiche: Systeme in Frankreich, Systeme in Deutschland und Munition. In Frankreich plant der Konzern eine zweite Anlage zum Befüllen von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen. Damit sollen künftig fünfmal so viele Geschosse befüllt werden können wie 2022. Am Standort Görlitz, einem früheren Alstom-Werk, seien eineinhalb Jahre nach der Übernahme bereits 40 bis 50 Prozent der vorgesehenen Industrieflächen für die Produktion erschlossen.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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