Wärmenetz-Ausbau in Gefahr: Verbände fordern Stopp der Wärmepumpen-Förderung in Ausbaugebieten

In Städten und Gemeinden sowie in Teilen der Wirtschaft wächst die Sorge, dass sich zu wenig Kunden für neu ausgebaute Wärmenetze entscheiden und Versorger auf ihren Investitionskosten sitzenbleiben.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) schlägt deshalb vor, Wärmepumpen in den betreffenden Gebieten finanziell nicht mehr zu unterstützen. „Eine Doppelförderung von Wärmenetzen und Wärmepumpen ist keine gute Idee“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing der „Welt am Sonntag“. „Dort wo das Ausbaugebiet feststeht, sollte die Förderung für Wärmepumpen deshalb entfallen.“

Zusammen mit weiteren Verbänden fordert der VKU Änderungen im Gebäudeenergiegesetz (GEG) sowie bei der Heizungsförderung. „Die Schlechterstellung von leitungsgebundenen Netzen gegenüber gebäudebezogenen Einzelheizlösungen ist zu beseitigen“, heißt es in einem Konzeptpapier, über das die „Welt am Sonntag“ berichtet. Verfasser sind unter anderem der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der VKU. In einem reformierten GEG solle zudem die Fokussierung auf Gebäudeeffizienz beseitigt werden.

Auch der Deutsche Städtetag fürchtet hohe Kosten und zu wenig Erlöse. „Wenn die Städte Gebiete für den Neu- oder Ausbau von Wärmenetzen ausweisen, besteht keine Verpflichtung für die Eigentümer, die Wärmeinfrastruktur zu nutzen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Christian Schuchardt, der „Welt am Sonntag“. „Dies schafft Unwägbarkeiten für die Versorger, die vor langfristigen Investitionen in Milliardenhöhe stehen. Es kann nicht so laufen, dass Städte und Versorger in Vorleistung gehen und am Ende greifen die Bürger dann doch zur eigenen Wärmepumpe.“

Bis Ende Juni dieses Jahres müssen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern eine fertige Planung für neue Fernwärmenetze vorlegen. Der Deutsche Städtetag rechnet mit Ausbaukosten von mehr als 43 Milliarden Euro bis 2030.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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